Integration der Hypnose in den Arbeitsalltag

Integration der Hypnose in den Arbeitsalltag

Metaphorische Konzepte

Ein Ritual: Eine formale Trance kann als Ritual betrachtet werden. Als Selbsthypnose oder als Entspannungsübung oder als Safe Place kann das Ritual dem Patienten mitgegeben werden, damit er es selbständig anwendet wann immer er es braucht.

Im Sinne des grossen Durchsetzungswunsches beim Menschen ist es sinnvoll, in einem chirurgischen/zahnärztlichen Eingriff ein Übergangsritual zu sehen, welches ERFOLGREICH überstanden, Freude weckt für den Beginn einer neuen Epoche und Kompetenz (Kinder die ihre 2. Zähne bekommen, weil sie die ersten verlieren).

Mögliche Elemente eines Rituals sind (Ein einzelnes Element kann als „Zutat“ mehr oder weniger oder gar nicht vorhanden sein):

Ein Rollenvorbild, d.h. eine wichtige, unterstützende Person aus dem Erleben des Patienten, der positive Erwartung und Selbstheilung unterstützt.

Klare Vorstellung über den Zweck des Rituals.

Klare Vorbereitung (z.B. beeigneter Ort, ein Symbol (z.B. ein Talisman) das hilft, etc)

Wahrnehmungsdeprivation (z.B. Augen schliessen)

Wahrnehmungsüberladung (intensive Erinnerungen)

Kreisförmige Gemeinschaft, z.B. mit sich selbst indem man sich selber intensiv zuwendet.

Vorbereitung für den Abschluss in Form einer Feier oder Belohnung.

 

Dem Patient ein positives Konzept für den medizinischen Eingriff vermitteln:

Bei einem negativen Konzept im Kopf des Patienten steigt der empfundene Stress und damit die Angst an, weil dann der Patient unerwartete oder erwartete Stressoren negativ wahrnimmt und diese, weil eine Bedrohung, besonders zentral für sein Erleben werden. Konzepte bzw. Einstellungen sind wir Linsen,  welche die Wahrnehmung verzerren. Mit einem positiven Konzept und einer guten Information kann der Patient dem Eingriff auch positive Aspekte abgewinnen. Z.B. den Eingriff - als Pause ansehen (einmal abgeben dürfen), - als Chance, endlich mal Zeit für sich selber zu haben, - als Abenteuer zur Selbsterkundung etc. D.h. es wird eine „Operationsidentität“ erschaffen, welche dem Patient vorgibt, wie er sich sinnvoll durchsetzt.

Damit nimmt der Stress und die Angst exponential ab, und damit auch die Menge der benötigten chemischen Beruhigungsmittel und ihrer Nebenwirkungen.

 

Wie schon gesagt, Wirkmächtigkeit ist das hervorragende Merkmal des Menschen. Wenn Menschen während einer Operation nichts zu tun haben (sich nicht durchsetzen können), bekommen sie schnell Angst (Def. der Angst = „ich kann/weiss nicht wie mich durchsetzen“). Wenn der Patient den Eingriff nicht als Übergangsritual sehen kann, macht es zumindest Sinn zu erforschen, was der Anteil des Patienten im Gesundungsprozess sein könnte.

 

Selbstheilungskräfte: z.B., eine kleine Schürfwunde in der Kindheit verheilt, eine halb verdurstete Pflanze erholt sich

Entspannung unterstützen: z.B., nach einer Wanderung sich in einer Hütte erholen

Blutungskontrolle: Blutgefässe direkt imaginieren und ihren Durchmesser in der Vorstellung anpassen

 

Besonders wirksame Metaphern bestehen darin, dass die verletzte Körperstelle wie ein krankes Kind ansehen und behandelt wird; mit viel Liebe aber auch einer gewissen Strenge wird dann der Selbstheilungsprozess unterstützt.

 

Für besondere Situationen eignen sich auch besondere Metaphern: z.B. eine kühle Meeresbrise bei Hitzeschlag, oder imaginierte Handwerker in einem verletzten Organ.

In einer Notfallsituation sind die Patienten schon in einer meist regressiven (kindlichen) Trance. Es braucht dann keine Induktion, aber es ist von Vorteil, sich selber gut bemerkbar zu machen und „mit dem kleinen Kind“ zu reden und gerade das Kind in seiner Persönlichkeit ernst zu nehmen.

 

Das Konzept Liebeskummer in der psychosomatischen Medizin.

Richard Davidson: „Warum wir fühlen wie wir fühlen“: „Die Begründer der psychosomatischen Medizin, die den Zusammenhang zwischen psychosozialen Faktoren und Krankheitsgeschehen erforschten, haben dies bereits vor Hunderten von Jahren vermutet. Die ersten Ärzte der Welt – Männer wie der griechische Anatom und Physiologe Erasistratos im 3. Jahrhundert v. Chr., Galen, der Leibarzt von Marcus Aurelius, im 2. Jahrhundert sowie der persische Philosoph Avicenna im 10 Jahrhundert – massen stets den Puls, um Rückschlüsse auf Liebeskummer zu ziehen: Sie gingen davon aus, dass unerwiderte Liebe ihre Spuren in der Physiologie des Leidenden hinterlassen müsse. Plutarch berichtet von einer berühmten Szene, in der Erasistratos vom syrischen König Seleukos gerufen wurde, um nach dessen erwachsenen Sohn Antiochus zu sehen. Der nämlich lag todkrank darnieder, und kein Arzt hatte bis dahin sagen können, worin seine eigentliche Krankheit bestand. Erasistratos beobachtete, dass die Symptome des Patienten immer dann, wenn die neue, überaus junge Gattin des Königs, Stratonike den Raum betrat, „allzu offensichtlich zutage traten, etwa die Brüchigkeit der Stimme, das Erröten und Niederschlagen der Augen, die plötzlichen Schweissausbrüche und der unregelmässige Puls“, so beschreibt es Plutarch. „Auch von Schwindelanfällen, Zweifeln und Ängsten wurde er geplagt, und es kann zu plötzlichem Erblassen. Aus all diesen Erscheinungen zog Erasistratos den Schluss, dass der Sohn des Königs keine andere liebte als ebendiese Frau, er aber lieber sterben mochte, als es zu bekennen.“

Es kam zu einem glücklichen Ende: Der König zeigte sich grosszügig und überliess seine neueste Frau dem in Liebe entbrannten Sohn. Wie Stratonike zu der ganzen Angelegenheit stand, ist allerdings nicht überliefert.“

 

Interaktionsspiele und Manipulationen missachten das Gegenüber als „Mensch“. Es gibt dann kein Verstehen und deshalb auch keine Metaphern, was ziemlich unempathisch wirkt. „In der Begrenzung zeigt sich die wahre Grösse“, meinte einst Goethe. Sinniger Weise sind es Metaphern, welche uns begrenzen und doch viel Raum lassen für unsere Individualität. Metaphern als Instrument der Erkenntnis sind dann befreiend und schrecklich zugleich, sie sind aber auch das wichtigste Instrument zur gegenseitigen Begegnung. 

 

Metaphern der Macht und Macht der Metaphern: an Hand des Märchen Rumpelstilzchen; zeigt wie reflektiertes Bewusstsein die zerstörerische Macht überwindet.

Metaphern in der westlichen Kultur (George Lakoff/Mark Johnson: Leben in Metaphern)

Der Name „Metapher“ stammt aus dem Altgriechischen meta-pherein, wörtlich übersetzt „hinübertragen“. Metaphern übertragen die bekannte Bedeutung eines Phänomens auf ein neues Phänomen, das erst dadurch verständlich wird.

 

Konzepte für eigenes Handeln und Empfinden sind ihrer Natur nach metaphorisch. Es gibt nur wenige „direkt aus der Erfahrung emergente“ Erkenntnisse, wie z.B. oben und unten, der eigene Körper oder einfache Kausalität (z.B. Wegwerfen erzeugt ein Geräusch, was Kinder in einem frühen Alter mit viel Freude und Ausdauer wiederholen). Oben und unten wird schnell zu Himmel und Hölle, Kausalität wandelt sich zum Konzept des Schöpfers. Letzteres kann in der Medizin problematisch werden, wenn ein Arzt sich als Schöpfer der Gesundheit sieht, sich selber als objektivierbaren Grund für das Verschwinden der Krankheit, wenn doch „den Selbstheilungskräften Raum Geben“ der wichtigste Teil einer Gesundung ist.

 

 

Eigenschaften der Metapher:

 

Metaphern erhellen partiell und verdunkeln partiell, wie es ein Scheinwerferlicht mit einem Gegenstand macht. Kohärente metaphorische Konzepte überschneiden sich partiell und unterscheiden sich partiell, wie bei Entspannung als Sprudelbad oder Entspannung als Kletterwand.

Wenn z.B. eine Lokomotive mit einem Dampfross verglichen wird, dann erfahren wir etwas über die Zugkraft und seine „Atmung“, aber nicht über seine Räder. Der wesentliche Punkt besteht darin, dass der wissende Metapher-Benutzer damit anerkennen kann, dass er blinde Flecken hat… und „Gott beschütze uns vor unserer Überheblichkeit!“

Metaphorische Konzepte sind prototypisch. Vom Prototyp leiten wir unsere Erkenntnisse ab. So ist eine Schwalbe ein typischer Vogel, während eine Gans nur noch knapp als Vogel „durchgeht“.

Metaphern unterhalten eher, als dass sie streng logisch argumentieren. Metaphern sind friedlich.

Metaphern vereinen Eigenschaften von Subjektivismus und Objektivismus (siehe unten): Vom Subjektivismus übernimmt die Metapher Imagination, vom Objektivismus  Kategorisierung, Ableitung und Schlussfolgerung.

Metaphern helfen psychosomatische Störungen verstehen:

Es besteht die metaphorische Verwandtschaft, dass wir (a) NAHRUNG verdauen, und (b) IDEEN verdauen. Nahrung in den Mund nehmen, oder sie kosten, genügt nicht, und der Horror z.B. der Anorexie-Betroffenen ist weniger die Nahrung im Mund sondern deren Verdauung (d.h. Kalorien gelangen vom Darm ins Blut. Diese Unterscheidung kommt noch deutlicher bei der Bulimie zum Vorschein). Damit wird die Anorexie direkt zu einer Metapher des logischen Grundproblems: nämlich dass die Anorexie-Betroffenen die Widersprüche der eindimensionalen Logik innerhalb der Familie zwar ERKENNEN, aber diese Erkenntnis NICHT AUFNEHMEN sprich VERDAUEN dürfen, damit sie ihre Zugehörigkeit zur Familie nicht verlieren; denn diese ERKENNTNIS verdauen geht mit einer Entwicklung zur zweidimensionalen Logik einher, sprich mit dem Akzeptieren der Metaphern; Objektivismus (Vater) und Subjektivismus (Mutter) hingegen ignorieren die Metaphern, damit sie ihre Wirkmächtigkeit nicht verlieren.

 

Objektivismus, Subjektivismus und die Metapher

Anorexie-Familien haben früher einen Weg gefunden, um Ohnmacht, Alpträume und Enttäuschung aus ihrem Leben auszublenden, bis sich diese Büchse der Pandora plötzlich in Form einer Anorexie doch öffnet. Meist übernahm der Vater die Rolle des objektivistischen Machers und die Mutter die Rolle der subjektivistischen Fürsorglichen.

Objektivismus und Subjektivismus haben im Abendland schon lange in Koexistenz gelebt, indem sie sich ihre Lebensbereiche aufteilten. Objektivismus brilliert mit technischer Genialität und auch die subjektivistische Fürsorglichkeit ist in ihrer Effektivität unübertroffen. Diese enormen Erfolge rücken normale Enttäuschung und Versagen in den Untergrund; doch war diese Koexistenz früher anfällig für gewalttätige Kriege und ist sie es heute für psychosomatische Erkrankungen: unterdrückte Enttäuschungen bahnen sich in aggressiver Form ihren Weg doch nach aussen.

Objektivismus und Subjektivismus befinden sich philosophisch in einer „unversöhnlichen Koexistenz“, sie brauchen sich als Ergänzung, weil sie unterschiedliche Teilbereiche des menschlichen Lebens abdecken und das Übrige gerne dem andern überlassen; dieses Spannungsverhältnis zeigt sich schön im Gegensatz von Aufklärung und Romantik; es bleibt ein Unverständnis zwischen beiden.

Objektivismus (Aufklärung) hat sich der VERNÜNFTIGEN MACHBARKEIT und OBJEKTIVEN WAHRHEIT verschrieben. Obwohl die Wahrheit persönlich und individuell ist, will der Objektivist seine Wahrheit dem andern aufdrängen, oder er blickt wohlwollend über die Unzulänglichkeiten seines Gegenübers hinweg, was dieser aber gleichermassen als erniedrigend empfindet.

Subjektivismus (Romantik) benutzt das wechselnde und beliebige EIGENE EMPFINDEN als Quelle der Wahrheit. Daraus entsteht häufig überbordende Fürsorglichkeit, sogar in einem Ausmass, in dem Fürsorge keinen Sinn mehr ergibt.

Die erfolgreiche Aufteilung vernünftiger Machbarkeit und überbordender Fürsorglichkeit ist ein Markenzeichen von Familien, in denen Anorexie vorkommt. Die eindimensionale Logik macht beide erfolgreich: mit einem schnellen Handgriff ein technisches Problem lösen auf der einen Seite, andererseits mit der fürsorglichen Medizin das Kind sofort glücklich machen. Bei beiden obsiegen mit der eindimensionalen Logik MACHT UND ERFOLG ÜBER VERSTÄNDNIS. 

Obwohl unsere innern Lebenskonzepte metaphorischer (=bildhafter) Natur sind, müssen Objektivismus und Subjektivismus das Erkennen der eigenen Metaphern unterdrücken, um ihre erfolgreiche eindimensionale Logik aufrecht erhalten zu können. Die Anerkennung, dass unsere Konzepte aus METAPHERN bestehen, würden das eigene Leben öffnen, sein Gegenüber erkennen lassen, man müsste vieles zuerst mühsam aushandeln, man wäre nicht SOFORT erfolgreich; kurz gesagt, es wäre ziemlich bedrohlich. 

 

 

Objektivismus verleugnet Metaphern

Als Philosophie leugnet vor allem der Objektivismus, dass blinde Flecken auch SEINE Sicht trüben. Diese Verleugnung erlaubt ihm, ungeniert die Ausbeutung zu übersehen, wie sie im Laufe der Geschichte immer wieder vorkam, besonders krass in der frühen Industrialisierung mit seiner Ausbeutung der Arbeiter während der „Aufklärung“, aber auch  in Inquisition, Kolonisation, und noch heute kommt Ausbeutung vor, subtiler zwar,  in Mobbing oder Abzockerei der Manager. In AN-Familien versucht die  subjektivistische Fürsorge die objektivistische Ausbeutung in ihren Folgen zu mildern.

Sobald wir erkennen, wie wir unser Leben an Hand metaphorischer Konzepte organisieren, können wir auch anerkennen, dass wir blinde Flecken haben; und das hilft, dem Mitmenschen ein anderes als das eigene Konzept zuzugestehen, das wir auch nicht unbedingt zu 100% verstehen müssen; die metaphorische Natur der eigenen Konzepte zu erkennen, hilft, sich möglicher Ausbeutung  bewusst zu sein.

Ein krasses Beispiel, welch absurdes Ausmass der Hass der Objektivisten gegen die Metaphern annimmt, zeigt sich bei Samuel Parker, der 1666 gar nicht merkte, dass er in seiner erbosten Rede die Metaphern, die er so vehement angreift, selber ja ausgiebig braucht um sich verständlich zu machen: „All die philosophischen Theorien, die nur in metaphorischen Begriffen ausgedrückt sind, stellen keine echten Wahrheiten dar, sondern nichts als Produkte der Imagination, die (wie Puppen) in ein paar glitzernde inhaltsleere Worte gekleidet sind. ... So kriechen ihre lüsternen und ausschweifenden Phantasien in das Bett der Vernunft, beschmutzen es nicht nur durch Unkeuschheit und aussereheliche Umarmungen, sondern schwängern den Verstand mit nichts als Wertlosigkeiten und abenteuerlichen Hirngespinsten, statt richtige Begriffe und Vorstellungen von Dingen zu schaffen.“ Und dies hat Parker nicht im witzigen Sinn gemeint.

Auf der andern Seite besteht der blinde Fleck des sanften Subjektivismus in seiner übertriebenen Fürsorglichkeit, welche mit Selbstausbeutung einhergeht; hingegen beutet die kriegerische Form des  Subjektivismus, wie die Anorexie ihn lebt,  nicht nur sich selbst sondern indirekt auch die Umgebung aus.

 

Höheres, sprich zweidimensionales Bewusstsein

Um Ausbeutung zu beenden, reicht es nicht, Metaphern zu benutzen, sondern man muss auch WISSEN, dass man Metaphern benutzt. Erst dann können sich Menschen mit wissendem Respekt begegnen UND ihre Individualität respektieren. Wie wir schon  gesehen haben: Individualität und höhere Bewusstsein beruhen auf dem simultanen Funktionieren auf mindestens zwei Ebenen: nämlich die Benutzung der Metaphern (1. Ebene) UND das Wissen um die Metaphern (2.Ebene). Die Hypnose beschäftigt sich im Wesentlichen mit dem Herausschälen eines sanften und simultanen 2-Ebenen-Funktionierens.

Milton Erickson schildert,  in der Erforschung seines Körperschemas müsse ein Patient seine positiv geschätzten Körperteile erkennen, aber auch diejenigen, mit denen er nicht so zufrieden ist. Wenn jemand bemerkt, dass sein Kinn zu schwer ist, dann darf er das merken, aber auch wissen, dass er das merkt.

Dadurch entsteht Selbstverantwortung, eine wesentliche Eigenschaft, die der Anorexie abgeht.

Die zweite Ebene bleibt bei der HYPNOSE diskret im Hintergrund, sie stört nicht und kann bei Bedarf aktiviert werden. Ein übermässig starkes Selbstbeobachten auf der zweiten Ebene würde sich eher behindernd auswirken. Die zu hohe Dosis macht aus dem Heilmittel ein Gift! Dagegen funktionieren Objektivismus und Subjektivismus auf nur eindimensional, was kurzfristig oft erfolgreicher macht. 

Wir wissen aus der Untersuchung der Hypnotisierbarkeit, dass die Kenntnis einer Suggestion noch gar nichts bewirkt. Menschen unterscheiden sich in dem Ausmass ihrer Hypnotisierbarkeit, welche auf 2 Faktoren beruht: eine Suggestion (a) aufnehmen und sie (b) umsetzen. Anorexie-Betroffene nehmen eine Suggestion überhaupt nicht auf, auch wenn sie sie kennen, mit der Folge, dass sie im üblichen Sinn nicht hypnotisierbar sind.

 

Der Zwischenschritt in der Therapie: Bewusst ins Problem einsteigen

oder Alpträume sind wie Züge: sie machen nur Sinn, wenn man ein- UND aussteigt

Im Alptraum meinen wir uns durchsetzen zu müssen, und dann können wir uns nicht durchsetzen. Das erzeugt Angst. Z.B. träumte jemand, er stosse immer wieder gegen eine Türe um sie zu öffnen und aus dem Gefängnis zu kommen. Als er aufwachte, erinnerte er sich an das Schild „Ziehen“, das er im Alptraum nicht erkannte. Wenn wir aufwachen und erleichtert feststellen, dass es nur ein Alptraum war, dann erkennen wir auch unbewusst, dass wir uns gar NICHT immer durchsetzen MÜSSEN.

Zwischen Problemerkennung und Problemlösung liegt DIESER Zwischenschritt des Einsteigens: Wenn wir ins Problem einsteigen, sind wird halb am Erkennen der Diagnose und halb schon in der Therapie. Die menschliche Seele braucht diesen Zwischenschritt, der besonders bei der Hypnotherapie durch das Einsteigen in eine Hypnose gelingt. In unserer Zeit der schnellen Lösungen kann man manchmal von den Klienten ein Erkennen der Probleme gar nicht mehr verlangen; geschweige denn die Forderung stellen nach Geduld für einen Zwischenschritt, diese Forderung verpufft ungehört, und so nimmt sich kaum jemand die Mühe, bewusst und emotional ins Problem einzusteigen, d.h. das Problem nicht nur zu wissen. Trotzdem gibt es Ansätze hierfür, nämlich eine Retraite im Kloster oder eine Wanderung auf den Jakobsweg. Dies hilft natürlich nur, wenn es tatsächlich gelingt sich auf die Mühen bewusst einzulassen. Sich wochenlang unter der heissen Sonne über steinige Wege zu quälen, dies hat nämlich durchaus etwas Alptraumartiges an sich. Ich glaube, wir tragen bereits im Alltag unbewusst unsere Alpträume mit uns, welche sich gerne in körperlichen Beschwerden äussern.  Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Glück da liegt so nah? Und um wieder aus dem Alptraum auszusteigen, hilft die Erkenntnis dass es ein (freiwilliger) Alptraum ist

Bei Anorexie-Betroffenen z.B.,  wird Einsteigen Schwindel erregend schwierig, weil ihr Alptraum darin besteht, dass sie die Verbindung zu sich und ihrem Körper kappen. Die Abwehr vor dem Sich Spüren ist dann nicht nur doppelt, sondern vierfach. Doppelt wegen der negativen und monokausalen Logik des Alptraumes, danach noch potenziert durch den paradoxen Inhalt des Alptraumes vom Sich Abkoppeln, obwohl sie sich nichts sehnlicher als Zugehörigkeit wünschten! Die Abneigung vor dem Sich-Helfen-Lassen stammt vielleicht auch davon, dass jedes Mal, wenn sie sich dieser Problematik nähern, diese sich verstärkt unangenehm bemerkbar macht und dies, weil sie unlösbar scheint, zur weiteren Ohnmacht beiträgt. Besonders wenn im Suchterlebnis eine scheinbar bessere Lösung zur Verfügung steht.   

Im Überwinden der Alpträume erschaffen wir uns eine zweite Ebene, wenn wir beim Erwachen erkannt haben, dass es sich „nur“ um einen Alptraum gehandelt hat, dann tritt Erleichterung ein und wir wollen und können uns wieder besser um uns selbst kümmern und erfreulichen Regungen aus unserm Innern Platz geben. Eine Erfahrung aus der Kindheit, dass in diesem Moment die Mutter wirklich tröstend anwesend war, und uns gesagt hat, alles ist gut, ohne die Wirklichkeit zu leugnen, nämlich dass sie auch sagte, es WAR ein Alptraum, aber NUR ein Alptraum, ist sicher sehr hilfreich auch für später. Das Erkennen, Ein- und Aussteigen ist also das Grundmuster, das aus unserm Erleben Erfahrungen macht.

 

Die Lösung: Das Aussteigen im Mythos der Erfahrung 

Statt in all den Kriegen weiter zu metzeln, hätte Mozarts Zauberflöte uns schon vor über 200 Jahren vorgezeigt, wie es besser geht: Mozart versöhnt Aufklärung und Romantik durch seine musikalische Geschichte. In der Zauberflöte lässt der weise Sarastro Pamina in Geduld üben und ihre Verzweiflung bzw. Enttäuschung überwinden… Sarastro lässt Tamino seine Tapferkeit erproben, bevor Pamina und Tamino in ihrer Selbstentfaltung so weit sind, dass sie gemeinsam den Krieg beenden können,  und damit zusammen über die Liebe zur Weisheit gelangen.

Das Ziel heisst Selbstverantwortung, höheres Bewusstsein und erkannte Identität.

Wie die Metapher kombiniert der Mythos der Erfahrung die Vorteile des Objektivismus und des Subjektivismus: Indem Metaphern auch objektivistische Anteile haben, verhindern sie den Nachteil des Subjektivismus, nämlich: auch ungebremste Beliebigkeit kann tyrannisch werden, wie es gerade das Beispiel der Anorexie zeigt.

 

Sich dank der Metaphern öffnen, Bedürfnisse entdecken und Raum für das Selbst finden

Der Mythos der Erfahrung ermöglicht eine Öffnung aus dem Versteck hinaus in die äussere Welt. Im Mythos der Erfahrung könnten wir uns nicht mehr hinter allgemeinen Prinzipien der Ideologie verbergen. Wir haben dort keine vorgefertigten Antworten mehr und brauchen Pausen zum Überlegen, Spüren und Reagieren. Dort erst wird aus „früher sofortiger Schnelligkeit“ eine „nachhaltige Entwicklung“. Ein Sich Öffnen bringt uns zur Entdeckung der Metaphern (so wie wenn ein Kind phantasievoll wird), umgekehrt helfen Metaphern zur Weite, Öffnung, Verständnis und schlussendlich befriedigender Freiheit. Für eingefleischte Objektivisten sowie fürsorgliche, nicht romantische Subjektivisten sind Metaphern reine Zeitvergeudung. Metaphern machen es ihnen nicht so einfach, wie sie es sich wünschen: Sie nehmen ihnen ihr eindimensionale Denken, ihre vorgefertigten Antworten, öffnen immer neue Möglichkeiten, wecken Angst vor der Ungewissheit, lösen sie aber auch aus ihrer Erstarrung. H. Hesse dichtet in seinen „Stufen“: „heiter Raum um Raum durchschreiten!“

Das Schöne z.B. an der Anorexie ist, dass sie sich nicht wegmogeln lässt, wenn sie da ist, ist sie nicht zu übersehen. Also zwingt sie uns Gott sei Dank immer wieder zum Hinschauen, was ihr fehlt: Anorexie ist im Grunde mangelndes Begehren, da können AN-Betroffene noch so lange beteuern, dass sie gerne essen würden: solange sie es nicht tun, stimmt das nicht. The proof of the pudding is in the eating, sagen die Engländer. Begehren entsteht allerdings erst, wenn ein Bedürfnis vorhanden ist. Ein Bedürfnis besteht aus einem Raum, der das Nichts auffängt und aus ihm das Bedürfnis formt, nämlich das Nichts angemessen zu füllen (und nicht nur zu schreien oder konsumieren). Subjektivismus und Objektivismus bestehen hingegen auf sofortiges Bekommen und nennen das Effektivität. Dabei geht jedoch viel Vergnügen und Geniessen verloren, welche erst den Reiz des Lebens bzw. Essens ausmachen. Metaphern sind die perfekten Werkzeuge, um diesen Raum und das kurze Innehalten zu schaffen, welche ein Bedürfnis formt. In einem Kontext der Machbarkeit sind Bedürfnisse jedoch „pfui“, dort sind sie egoistisch, lassen den Liebeskummer spüren und machen abhängig. Und in einem Kontext der Ausbeutung ist jede Abhängigkeit monströs.

„Meine Behandlung für (die anorektische) Barbie bestand darin, dass ich ihr kurze Geschichten erzählte, Metaphern, spannende Geschichten, geheimnisvolle Geschichten, langweilige Geschichten. Ich erzählte ihr Geschichten jeder Art, kleine Geschichten. Zum Beispiel… Bei diesen Mädchen brauchen die Gefühle etwas Bewegung.“ (Milton Erickson)

Metaphern sind Brücken des Verständnis: Metaphern vergleichen zwei Phänomene partiell: partiell verdunkeln sie, partiell erhellen sie. Damit werden lebendige Beziehungen möglich, welche erst aus der Kombination von Gemeinsam UND Eigenständig erfüllend sind (Für Erzieher: neben fürsorglich sein auch die Selbständigkeit des Kindes fördern). Jeder Mensch kann als die Hälfte einer Brücke gesehen werden: Zusammen mit einer oder mehreren andern Hälften entsteht die gewünschte Verbindung. Bei allem Verbindenden wird häufig vergessen, dass erst ein starker Pfeiler die solide Brücke ausmacht.

Geschichten helfen uns beim probeweisen Erkennen, Ein- und Aussteigen, um aus unsern Erlebnissen Erfahrungen zu machen, ohne dass diese uns zu nah kommen und uns in eine zwangsläufige Alptraumdynamik reinzieht, aus der sich Patienten, einmal darin gefangen,  mit übertriebener, schädlicher Kontrolle zu retten versuchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Metaphern und Geschichten in der Hypnotherapie

„Katharsis“, oder „Ein- und Aussteigen“? : Erinnere dich: der Alptraum ist wie ein Zug: er macht nur Sinn, wenn man EIN- UND – AUSsteigt.

Im Konzept der altgriechischen Dramen – aber auch früher in der Hypnose – spielte die Katharsis eine wichtige Rolle, heutzutage schauen oder lesen wir Krimis für diesen Zweck. Entscheidend ist nicht, wie oft geglaubt, das „Rauslassen“ der Emotionen – „Rauskotzen“ ist vielleicht nur auf dem Höhepunkt der Krankheit sinnvoll – sondern wichtig ist eben: nicht nur einsteigen, sondern vor allem wieder aussteigen.

Alpträume: Turning point und Face the problems: Jede Geschichte hat einen Turning point, den Umschlagpunkt, an dem jemand aufgerüttelt wird, aufwacht und aufsteht – und sich seinen Problemen stellt.

Eine Forscherin an der ETH Zürich hat die Hirngrösse (an Hand des Schädelvolumens) und das Gebiss unserer Vorfahren untersucht. Dabei stellte sie fest, dass in dem Moment die Hirngrösse enorm zunahm, als sich das Gebiss zurückbildete. Die Erklärung lautet, dass zum Zeitpunkt, als die Menschen ihre Speisen durch Kochen leichter verdaulich machten, mehr Körperenergie für das Gehirn zur Verfügung stand. Genau gleichzeitig hat sich der Mensch den aufrechten Gang angewöhnt, welches ihm unter anderem eine bessere Übersicht verlieh, vielleicht auch die Voraussetzung zum zweidimensionalen Denken.

Das Leben in der Steppe war für den frühen Mensch wohl so etwas wie ein Alptraum gewesen, umgeben von all den Feinden. Um sich das Leben in der Steppe vorzustellen: Z.B. ist es fast unmöglich, einen Löwen in die Steppe auswildern zu lassen, wenn er bei den Menschen aufgewachsen ist. Die andern Löwen bereiten ihm einen schrecklichen Empfang. Die Steppe ist vorwiegend Krieg.

Dagegen sind Geschichten friedlich, sie helfen Krieg und Paranoia zu überwinden.

Eva Madelung berichtet, das der Turning point bei ihrer Anorexie dort stattfand, wo im Traum das Knochengerippe des Todes sie erschreckt hatte und sie danach realisierte, das der Tod durch Anorexie schrecklicher sein würde als jede Variante des Lebens. Und sie sich ihren Essproblemen stellte(Eva Madelung: Trotz und Treue).

Metaphern oder Geschichten? Die Begriffe Metapher und Geschichte werden oft synonym verwendet. Ich würde die Metapher mit einem Bild vergleichen, die Geschichte mit einem Film, der entstand, „als die Bilder laufen lernten“. Die Geschichte nimmt den Zeitfaktor mit hinein, mit all den Konsequenzen des menschlichen Lebens: Abschied, Neubeginn, Übergänge, Ungewissheit und Erinnerungen etc. Eine formale Hypnose ist ähnlich wie eine Geschichte aufgebaut: sie hat einen Beginn, eine Mitte und einen Abschluss. Vielleicht ist der Hauptzweck einer Hypnose, Vergessenes zu erinnern und diese Ressourcen bewusst in den Alltag zu nehmen.

Hypnose und Geschichten: Hypnose ist erzählend, und Erzählungen sind Trance fördernd. Metaphern und Geschichten zählt man zu den indirekten Suggestionsformen. Sowohl Geschichten wie auch die Hypnose fördern Trance, Fokussieren, die Konzentration und die Reaktionsbereitschaft (responsivness). Beim Phänomen der responsivness zeigt sich schön das Prinzip der Ideodynamik sowohl bei Geschichten wie in der Hypnose: nämlich dass Gedanken oder Konzepte sich in Bewegungen und andere Körperreaktionen umsetzen. Die Ideodynamik ist der Feed-back des Unbewussten; damit treten Therapeut und Patient in Kommunikation, auch wenn der Patient nichts sagt. Hypnose ist eine Art Kommunikation zwischen den beiden Unbewussten des Therapeuten und des Patienten.

Der Therapeut benutzt seine Schatztruhe, in der sich ganz unterschiedliche Geschichten befinden können. Der Therapeut kann aber auch die immer gleiche Geschichte benutzen, um (a) ein Konzept zu vermitteln oder (b) dem Patienten Raum zu geben, damit dieser seine eigenen Konzepte entdeckt. (Der Therapeut will bei (b) anfänglich gar kein Konzept vermitteln). Der Therapeut passt die Geschichte jedes Mal ein bisschen an den Patienten und seine Situation an. Er spielt mit Pacing (auf das eingehen, was der Patient ihm (unbewusst) mitteilt) und mit Leading (er utilisiert seine eigene Reaktion auf das Feedback des Patienten). Dabei spielen Lockerheit, Loslassen und „Vertrauen auf das Unbewusste“ bei Therapeut UND Patient eine wichtige Rolle. Dazu hilft ein bisschen Übung.

Geschichten finden an ganz unterschiedlichen Stellen der Therapie ihren Platz: Man kann zuerst etwas Hypnose anbieten und dann Geschichten erzählen. Oder man kann zuerst Geschichten erzählen, um die Hypnose vorzubereiten (Im Voraus Sähen). Oder man kann eine Induktion in Form einer Geschichte durchführen. Oder Geschichten/Metaphern in der Mitte der Trance erzählen. Oder nach der Trance als Anleitung zur Umsetzung des Gelernten (Prozessinstruktion). Oder Geschichten ohne formale Trance…

Geschichten und hypnotische Phänomene: Hypnotische Phänomene kommen zwar im Alltag auch vor, treten aber in Geschichten oder in Hypnose gebündelter und gezielter auf. Altersregression, Dissoziation und Rapport sind die wichtigsten, aber auch Rapport, Halluzination und Depersonalisation, das ist, wenn man sich identifiziert mit dem Helden der Geschichte und vergisst, wer man selber ist. Damit hab ich auch die Amnesie genannt.

 

Geschichten und Einstreutechnik (eine indirekte Suggestionsart): Mit Hilfe der Einstreutechnik kann eine Geschichte Rapport aufbauen („der Patient kam zu mir“, „sie war mit ihrer besten Freundin zusammen), Wohlbefinden suggerieren („sie befand sich an einem wunderschönen Ort und fühlte sich wohl im Gwatt, genoss die Landschaft“), das zweidimensionale Bewusstsein anregen („sie dachte… beobachtete… wunderte sich…staunte…erinnerte sich…vergass…sagte…fragte sich“), oder körperliche Aktivität („sie trieben viel Sport und vergnügten sich beim Surfen“), sinnnliche Wahrnehmung (Klänge, Farben, Blumen, Düfte, Bewegungen). Posthypnotische Suggestionen („sie meldeten sich am nächsten Tag für das nächste Balsthal-Seminar an“) erleichtern den wichtigen Transfer in den Alltag.

Zum Abschluss: Macht Reframing den Therapeuten reich? Vielleicht ist Reframing der gemeinsame Nenner aller Therapie und Persönlichkeitsentwicklung: Ein Phänomen anders anschauen, verstehen; darauf anders reagieren oder ihm eine andere Bedeutung geben?

„They answered the questions with questions“ (The roaring silence)

“Den wertvolleren Preis gewinnt, wer die schönere Frage stellt” (Gregory Bateson)

 

 

„Ein Vektor meldet sich auf der Drogenberatung: „Ich bin linear abhängig.“

Warum man im eindimensionalen Denken sein chronisch-psychosomatisches Symptom einfach „weghaben“ will.

„Das Symptom weghaben Wollen“ ist im Grunde negativ UND eindimensional (beides gehört zusammen). „Nicht“ ist immer das Gleiche, sprich eindimensional. Dieses typisch analytische Denken bringt die Sache auf einen einzigen Punkt, d.h., es schliesst andere Möglichkeiten aus (und führt häufig zur Unsinn-Formulierung: „das ist meine einzige Möglichkeit“). Eindimensional kann nicht positiv sein, denn die positive Perspektive öffnet immer mehrere Möglichkeiten, was auf ein Selbst hindeutet. Hingegen bleibt das Eindimensionale in sich gefangen, per definitionem gibt es dabei keine Alternativen. Menschen mit eindimensionalem Bewusstsein beharren am meisten auf ihrer Meinung, vor allem wenn diese wenig hilfreich ist (sie haben ja nie dazugelernt): diese Menschen wollen/können gar keine Alternativen kennen lernen. (Die Devise lautet:„Weil ich hier der „Idiot“ (manchmal sogar selbstironisch formuliert) bin, bestimme ICH.“ Einfache Lösungen sind auch einfacher durchzusetzen. Siehe auch Punkt 5)

2.     Der unterschwellige Liebeskummer liefert die Grundperspektive des Belohnungssystem: Indem sich der unterschwellig liebeskranke Akteur unmöglich verhält, entfernt er sich immer stärker vom Liebesobjekt, obwohl er sich nichts sehnlicher als Nähe wünscht. Der Teufelskreis lautet: Je näher man sein will, um so weiter weg gerät man.  Denken ist wirklich distanzierend (die positive Freude ist ausgeschaltet), aber weil das Negative (z.B. als Verweigerung) die Situation blockiert, kommt man auch nicht wirklich los vom Liebesobjekt. Das Ziel des Liebessystems ist pure Durchsetzung, und negativ kann man sich intensiver und andauernder durchsetzen (Trotz). Man setzt sich auch durch, wenn man eine wichtige Beziehung zerstört (z.B. „Der Garten Eden“ von E. Hemingway) und in Gedanken erfolglos wegmacht, dank der belohnungserwartenden Zellen, die das belohnen, was nicht eintritt („ewige Vorfreude“). Auch soll der Schmerz „einfach“ verschwinden, indem man sich (nur in Gedanken) auf das freut, das nie eintritt. Deshalb beharrt man so intensiv darauf, dass das Symptom einfach weg sein soll, und dann ist alles gut. „Unbedingt Verschwinden“ heisst dann aber paradoxer Weise: das Symptom bleibt (zum Glück) für ewig, so wie man ewig im Liebeskummer stecken bleiben kann. „Wenn ich mein Gegenüber schlecht mache, dann kann ich mich nicht mehr von ihm lösen, ich denke dann ewig über ihn nach, selbst wenn wir keinen Kontakt mehr haben.“  (Grübeln)

Ohne ein reifes Selbst bedeutet jeder kleine Fehler das Ende der Beziehung. Es gibt keine reifen Bedürfnisse, die verhandelbar sind.  „Es fällt mir schwer, mir einen Fehler zu verzeihen. Denn ein einziger Fehler bedeutet das Ende der Beziehung.“ Deshalb kommt es gelegen, wenn das Symptom die Sündenbockrolle übernehmen darf, und der Akteur selber vermeintlich keine Fehler mehr macht (sekundärer Krankheitsgewinn).

Um über den Täter-Opfer-Dualismus nicht hinwegzukommen, beginnt der Akteur einen Streit über die Regeln, als Regelsetzer oder als Regelverletzer. Unbewusste Wut und Aggression des Akteurs gehören dazu, was die Sache auch ziemlich zwanghaft macht. Dieser Regelbevormundung kann sich kein Mensch entziehen, er muss sich wehren (man kann eine Beziehung nicht „nicht definieren“), jeder wird damit in die Beziehung hineingezogen. Ist jemand mal drin, kann sich der Akteur verstecken und dann sein Gegenüber abstürzen lassen, indem er ihn verrät oder indem der Akteur selber nicht anwesend ist (Versteckspiel ist bei Kindern so beliebt). Abschiessen kann der Akteur das Gegenüber auch, indem er ihm im Anschluss an das Versteckspiel einen Fehler vorwirft, der an den Haaren herbeigezogen ist (Fangen (=Abschiessen) ist bei Kindern als Spiel ebenfalls sehr beliebt). Der Opfer-Täter-Dualismus will also nicht überwunden werden, sondern dient der Durchsetzung des Akteurs. Zudem sind Regeln nicht verhandelbar, wenn man eindimensional denkt, jeder ist in seinen eigenen Regeln gefangen. Am Schluss ist dann auch nicht klar, wer Opfer oder Täter ist: Der Akteur, sprich Symptomträger, wird in seinem Opfer-Dasein ungewollt zum Täter, der die Helfenden zur Verzweiflung treibt. (Damit den Liebeskummer elegant rüber schiebt, denn „Enttäuschung“ und „Liebeskummer“ sind fast dasselbe!) „Klare“ Verantwortung(steilung) will zuerst gelernt werden! 

„Das Symptom weghaben Wollen“ durch eindimensionales Denken ist am bequemsten. „Nein“ ist eben einfacher als „Ja“. Wir sind in unserm Reichtum ja auch ziemlich verwöhnt. Auch scheint man durch eindimensionales Denken am erfolgreichsten zu sein, solange man die Nebenwirkungen übersieht. Die „lästige“ Alternative dazu ist, dass man Gefühle und Probleme anerkennt. Eine junge Frau meinte einmal: „Die Angst beim Laufen durch einen dunklen Wald ist völlig überflüssig. Es hat keine wilden Tiere dort. Angst hilft nicht, die Situation zu verbessern, wenn es keine Probleme gibt. Da bringt es mir nichts, Angst zu haben.“ Meine Antwort: „Wegen der enormen Durchsetzungswut des Menschen hören dessen Probleme damit nie auf: im dunklen Wald ist es schwierig, sich durchzusetzen, und DESHALB bekommt man dort Angst; und falls man Gelassenheit und Seelenfrieden lernen will, hören die (lösbaren) Probleme mit der Durchsetzungswut ebenfalls nie auf. Ist immer die Frage, ob man sich selbst in die Betrachtung mit einbezieht oder nicht.“ – „Ich will Angst und Probleme nicht überbewerten, weil meine Mutter beides immer so dramatisiert hat.“

Das Spannende am analytischen Denken ist: (a) Was ich nicht weiss, das gibt es einfach nicht. Eine andere Variante lautet: (b) ich kann mich oder den Partner verurteilen UND danach meine Verurteilung ignorieren. Auf beide Arten (a und b) beweist man sich unbewusst durch reductio ad absurdum, dass man in einer heilen Welt, ohne Angst und Probleme, lebt. In der Magie besitzt Ignorieren eine grosse Wirkung der Erleichterung, deshalb ist Ignorieren wohl so verbreitet. Auch hier helfen evtl. die belohnungserwartenden Zellen: falls die heile Welt sehr weit entfernt ist, kann man sie sich einfach „erträumen“ (Erträumen nicht im imaginativen Sinn sondern als Präemotion).

Zusammenfassend ausgedrückt geht es darum, dass ein Akteur mit chronisch-psychosomatischem Symptom gar nicht mehr „loslassen“ will oder kann, was synonym ist mit: seinen Liebeskummer nicht überwinden will oder kann. Ich will ihm natürlich nicht Unrecht tun, daneben gibt es die andere Seite auch, nämlich dass sich das Symptom auf den Lebensgenuss wirklich behindernd auswirkt. Doch ist die „Bereitschaft zum Loslassen“ erst einmal vorhanden (d.h. die Bereitschaft zum „Reflektieren“, sprich zweidimensionalen Bewusstsein), dann hilft Hypnose schnell und wirksam zur wesentlichen Verbesserung des Symptoms.

Milton Erickson (1944) schrieb in “Hypnosis in Medicine”: “…Such therapy, however, should not be directed merely to the alleviation of a symptom or to the forcing of the patient to adopt better adjustment patterns. Therapeutic effects thus achieved are short-lived and account for the majority of failures. Successful hypnotic psychotherapy should be systematically directed to a reeducation of patients, a development of insight into the nature of their problems, and the promotion of their earnest desires to readjust themselves to the realities of life and the problems confronting them. Too often hypnosis is employed simply to relieve a symptom, and there is a failure to capitalize upon the peculiar intense, effective physician-patient relationship engendered by the hypnosis which constitutes the actual point of departure in effecting a psychotherapeutic reordering of the patient`s life adjustment and a healthy integration of the personality…”    

 

 

 

„p.S., Warum ich mir, ausserdem noch, nicht helfen lasse“

(„In den schlammigen Untiefen des Widerstandes“)

 

1. Der Arzt als Zauberlehrling: „Er meint zu schieben und merkt oh weh er wird geschoben.“ Den Arzt für seine Spielchen benutzen ist für den Patient immer mal attraktiver als selber vom Baum der Erkenntnis zu essen, attraktiver als (im negativ-emotionalen Problembereich) reflektierendes Bewusstsein zu entwickeln und das Paradies zu verlassen. Scham und Schuld sind schlechte Belohnungen fürs Verlassen des Paradieses, und die moderne Medizin fördert noch eine paradiesische Konsumhaltung dem lieben Onkel Doktor gegenüber. Nach dem Genuss des Apfels, weiter kommen die Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, wenn sie realisieren, was der Tod bedeutet. Doch dann kann man,  oh Schreck, das Leben zu geniessen beginnen; doch der Liebeskummer mit dem Leben akzentuiert sich damit noch am Ende des Lebens. Oder warum eine gute Beziehung erschaffen, wenn sie irgendwann doch vorbei ist? (siehe David Schnarch zur modernen Paartherapie) Dann, als Alternative, wählt der Patient doch lieber das Ertragen seiner unterschwelligen Missgunst und schaut dass der Arzt schön paranoid wird, indem der Patient seine Regeln verletzt. (Patient in der Rolle als Stiefmutter und Arzt als  „Schneewittchen“ – and the empire strikes back: „Dosis der Psychopharmaka verdoppeln!!“, bis die Spielchen endlich aufhören – ja klar bei einem sedierten Patienten.)

Spannende Metaphern versüssen die bittere Medizin der Erkenntnis und lustiger Weise ist die Metapher zugleich der einzige Weg zur Erkenntnis. Neben dem „Sterben“ folgt auch noch das „Aufstehen“ der Entweder-Oder-Logik: „Rezept für ein glückliches Leben: Einmal mehr (metaphorisch) aufstehen, als du hingefallen bist!“

 

2. Therapeut: „Sie müssen noch lernen, richtig zu lügen. Die absolute Ehrlichkeit gibt es so wie so nicht, es gibt nur faires Vorgaukeln, offen und nicht auf Kosten der Zuschauer, ähnlich  wie beim Zauberer im Zirkus. Alle Tricke des Zauberers zu durchschauen würde den Genuss ja schmälern. Hypnose ist auch so ein Rollenspiel. Die Kinder lernen im Rollenspiel, sich auf glückliche Weise an die Realität anzupassen. Richtig Lügen bedeutet, dass Sie es nicht im falschen Moment tun, und dass Sie es bewusst und mit ein bisschen schlechtem Gewissen tun, wie in der schönsten Liebesgeschichte der Literatur, „Liebe in den Zeiten der Cholera“. Patient: „Ich will nie mehr ein schlechtes Gewissen haben müssen.“  (fakultativ Therapeut: „Dann ist es wirklich ein gute Idee, dass Sie Ihr Symptom behalten,  gerade wenn es sich um einen chronischen Schwindel handelt. Den kann man dann so oder so verstehen.)

 

3.  Patient: „Machen Sie bitte meine unangenehmen Symptome weg, aber helfen lasse ich mir nicht!“ -  „Waschen Sie mein Fell, aber machen Sie mich nicht nass!“  - „Helfen Sie mir, mich besser durchzusetzen, aber Verstehen ist mir zu mühsam, da kommen immer gleich meine negativen Emotionen!“ – oder das Paradox pur: „Helfen Sie mir, indem Sie mir nicht helfen.“

Meine Antwort als Therapeut: „Ich helfe Ihnen, indem ich Ihnen nicht helfe. Es gibt nur Hilfe zur Selbsthilfe. Ich will Ihnen gar nicht helfen, sondern nur ein paar unterhaltsame Metaphern erzählen.“

Erickson erzählte eine Lehrgeschichte über eine Demonstration in Hypnose (J. Zeig, „Meine Stimme begleitet Sie überallhin“). Die Versuchsperson war suizidal, nach der Demonstration verschwand sie. Viele Teilnehmer machten Erickson deswegen Vorwürfe (d.h. sie drängten ihn in die paranoide Position), er habe sie mit der Demonstration erst recht in den Tod getrieben. Doch 16 Jahre später meldete sich die Versuchsperson wieder bei Erickson (nicht aus dem Jenseits). Am Schluss seiner Lehrgeschichte fasste Erickson sie zusammen, indem er die wichtigen Themen nochmals kurz aufgriff: „…Nun als ich mit ihr ins Arboretum ging und sie das Arboretum halluzinieren liess, wovon habe ich da geredet? Von den Lebensformen: Vom Leben heute und in der Zukunft, von Blüten, Früchten, Samen, von den verschiedenen Formen jedes einzelnen Blattes an jeder Pflanze. Wir sind in den Zoo gegangen, und auch hier habe ich mit ihr vom Leben gesprochen – von der Jugend des Lebens, der Reife des Lebens, von den Wundern des Lebens – von den Vogelwanderungen. Und dann waren wir am Meeresstrand, wo ungezählte Generationen in der Vergangenheit ihre Freude gehabt haben, wo ungezählte Generationen in der Zukunft ihre Freude haben werden und wo die jetzige Generation ihre Freude hat. Und die Geheimnisse des Ozeans: die Wanderungen der Wale und Seeschildkröten – für den Menschen ebenso unverständlich und doch faszinierend wie die Wanderungen der Vögel.

Ich zählte alles auf, wofür es sich zu leben lohnt. Und niemand ausser mir wusste, dass dies Psychotherapie war. Alle hörten, was ich sagte, aber sie dachten, ich demonstrierte Zeitverzerrung oder Halluzinationen – visuelle und auditive. Sie dachten, ich demonstrierte hypnotische Phänomene. Sie merkten nicht dass ich dies in psychotherapeutischer Absicht tat. Also muss der Patient gar nicht wissen, dass man Psychotherapie mit ihm macht. Und dies zeigt auch, dass der Therapeut nicht wissen muss, warum der Patient Psychotherapie braucht. Ich wusste, die  Krankenschwester war depressiv und suizidal, aber das war nur eine allgemeine Information. (S.184-5)

 

Es lebe die Mehrebenenkommunikation… und die indirekte Therapieform, wenn sich der Patient oder der Student bewusst nicht helfen lassen will.

 

 

 

Praxis Ziegler

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